Sonntag, 10. März 2013

Sonntag, 10. März 2013, Pemberton, WA



Sonntag, 10. März 2013
Im Westen hängt eine stahlblaue Wolkenwand, als ich aufstehe. Ob das gut geht?
Zum Frühstück reicht es und es bleibt auch, von ein paar Tropfen abgesehen, trocken, bis wir Walpole passiert haben. Dann aber wird der Wald hier in Southern Western Australia zum Regenwald - und deshalb verzichten wir vorerst auf Spaziergänge und fahren stattdessen den "Great Forrest Trees Drive" entlang. Karri (bis zu 70 m hoch wachsende schlanke, glattrindige Eukalypten (eukalyti diversicolori)) und Marri (bis zu 45 m hoch wachsende etwas ausladendere Eukalypten, deren wiss. Namen ich mir nicht gemerkt habe) bilden einen beeindruckenden Wald, dessen Zwischenebene von anderen Eukalypten und u. a. Pfferminzbäumen gebildet wird. Kletterpflanzen wie Clematis sind leider verblüht, aber die Blätter sind noch zu sehen. Die Orchideen sind jetzt nach dem Sommer auf ihre Bulben zurückgebildet, sie kommen erst im Herbst wieder zum Vorschein.
Auf dem Weg zum Boorara Tree, einem ehemaligen Feuerschutzbaum, hört es auf zu regnen, und s können wir doch noch einen Spaziergang durch den Wald machen. Feuerschutzbäume: In den 60erJahren des vorigen Jahrhunderts wurde auf die höheren Karris (Boorara Tree war damals etwa 150 Jahre alt und bereit über 60 m hoch) kleine Unterstände gebaut, in denen Männer  (außer im Brandfall, dann waren es Frauen, weil die Männer beim Löscheinsatz waren) Tag für Tag die Umgebung beobachteten und nach beginnenden Waldbränden Ausschau hielten. Das war kein leichter Job. Morgens mit dem ersten Licht 60 bis 70 m in die Höhe klettern, dann den ganzen Tag in der winzigen Kabine, die bei Wind bis zu 3 m hin- und herschwankte, ausharren und beobachten und mit dem letzten Licht wieder herunterklettern und nach Hause gehen. Außerdem war  ihr Arbeitsplatz mit etwa 1 qm Grundfläche schon sehr klein und ihre eigentliche Aufgabe sehr verantwortungsvoll, denn wenn sie einen beginnenden Waldbrand übersahen oder falsch einschätzten, war der Schaden unermesslich. Boorara Tree wurde 1972 außer Dienst gestellt, weil er zu weich geworden war, die Kabine abgebaut und als Anschauungsobjekt am Boden platziert. Der Beobachtungsdienst wurde in dieser Zeit durch Überwachungsflüge ersetzt.
Nach einem Abstecher nach Windy Harbour an der Südküste bleiben wir heute Nacht in Pemberton auf dem Caravan Park.
Kurz nach Sonnenuntergang toben wieder mehrere Kookaburras durch die Bäume auf dem Weg zu ihrem Schlafplatz.

Samstag, 9. März 2013
Nach einer wirklich guten Nacht, weil ich nicht davon aufgewacht bin, dass mir im Schlafsack kalt ist, und dem üblichen Frühstück machen wir noch einen Spaziergang durch die Innenstadt von Albany. Im Tordirrup NP vor den Toren der Stadt betätigen wir uns mal wieder als Felsgänger, faszinierende Felsformationen wechseln sich ab mit dichtem Buschland und weißen Sandstränden. Ab und zu kommt die Sonne hinter den Wolken hervor, das verändert total die Farben und alles sieht noch freundlicher aus. Eigentlich wollten wir im West Cape Howe NP campen, aber die Idee hatten Andere auch - und sie waren schneller. Die Stellplätze sind alle belegt und auf dem Carpark ist es mir doch zu sehr "auf dem Präsentierteller". Also fahren wir an Bornholm vorbei über Tennessee nach Denmark. Dort klappt es, auf einem kleinen Caravan Park abseits der üblichen Touristen- und Wochenendurlauberwege finden wir ein Unterkommen. Unser Auto steht jetzt am Rande einer großen Wiese und am Ufer eines kleinen Flusses, allerdings in maximaler Entfernung zum Waschhaus. Hier dürfen wir sogar ein Feuer machen - schade, dass wir kein Holz haben. Ob sich da was machen lässt?
Nein, am Flussufer ist schon alles "abgegrast" und von den anderen Feuerstellen will ich nichts wegnehmen.
Dafür haben wir Australian Magpie und Ringneck auf der Wiese. Die Magpies haben mit ihren europäischen Namensgebern nur die Farbe gemeinsam (und das auch nur, wenn man nur oberflächlich hinsieht), gehören allerdings auch zu den Rabenvögeln. Ihr Gesang ist lieblich zu nennen, ihre Warnrufe dafür eher unmelodisch. Sie suchen sich auf den Wiesen ihr Futter: Käfer, Würmer, Raupen, Beeren, Samen aller Art - und sie sind auch kleinen Gaben der Urlauber nicht abgeneigt. Auch die Ringneck holen sich ihr Futter (s.o.) aus der Erde.
Seit längerem zum ersten Mal zeigen sich heute auch wieder die Sterne. Was drei Wochen ausmachen! Ihre Position am Abendhimmel ist sichtbar gedreht. Das Kreuz des Südens ist um einiges höher als bisher und somit eines der ersten Sternbilder, dessen Sterne am Abend zu sehen sind.

Freitag, 8. März 2013
Entgegen allen Vorhersagen lösen sich die Wolken schon während unseres Frühstücks auf. Wir nehmen den Anstieg zum Talyuberlup in Angriff. Wie angekündigt, wird es immer steiler. Am Ende geht es "nearly vertical" über Felsen zum Gipfel. Der Blick über den südlichen Teil des Nationalparks ist richtig gut. Auch an zwei anderen Stellen machen wir einen, allerdings kürzeren und weniger anspruchsvollen, Bushwalk. Den Park verlassen wir sozusagen durch den Hinterausgang und fahren zum nächsten, dem Porongurup, wo wir uns mit einem Fußweg durch den wunderbaren Wald in der Ebene begnügen. Für heute reicht es mit den Anstiegen.
Interessant ist die Ausschilderung der Nebenstraßen hier in WA. Sie geht nach dem Motto "Wer hier fahren will, weiß a wo er ist und b) wo er hinwill". Denn an den Kreuzungen stehen auf den Schildern nicht die Endpunkte der Straßen, sondern ihre Namen. Das ist ja ok, wenn die Straßennamen irgendwo nachzulesen sind. In unserer Karte stehen sie jedenfalls nicht, da braucht es schon einen größeren Maßstab. Also fahren wir ebenso wie gestern und vorgestern teilweise nach Gefühl und Himmelsrichtung. Letzteres ist schwierig, wenn die Sonnen nicht scheint.
Und schon sind wir in Albany, wo wir zuerst das Auto und dann uns versorgen. Auf einem Caravan Park in Stadtnähe buchen wir ein. Es ist relativ voll, aber das war ja zu erwarten.  Für kommenden Mittwoch melde ich unseren Landcruiser zum Service in Perth an, das ist jetzt der nächste Zielpunkt.

Donnerstag, 7. März 2013
Die Wolken, die heute Nacht den Himmel verdeckt haben, hatten keine Folgen, zum Teil sind sie schon wieder verschwunden. Beim Losfahren steht im Nordwesten ein wunderschöner Regenbogen.
Der Weg geht zuerst mal 60 km ganz gerade nach Westen. Die hügelige Strecke an Lake King, dem Salzsee, vorbei, eröffnet immer wieder wunderbare Blicke auf das "Low Woodland" (niedriger Baumbestand): Mallees, Akazien, Banksias und andere mittelhohe Büsche säumen die Straße. Nur bei den Salzseen ist die Sicht einigermaßen frei. Aber offensichtlich hat es auch hier an den letzten Tagen geregnet: Die Salzseen sind zwar als solche zu erkennen, aber auf der Salzkruste steht Wasser. Und natürlich sind sie auch nicht so strahlend weiß, schon weil die Sonne nur ab und zu durch die Wolken scheint. Viele Orte hier in der Gegend enden auf "up", Jerramungup, Ongerup, Pingrup, Munglinup, Porongurup usw. Auf unsere Frage, was das bedeutet, wurde uns gesagt, dass es sich um eine Anlehnung aus der Sprache der lokalen Aboriginals handelt, die "Wasser" bedeutet. Ganz sicher ist das natürlich nicht.
In Ongerup gibt es eine Station, in der über die Lebensweise der gefährdeten Malleefowls berichtet wird. Die Malleefowls sind etwa so groß wie Gänseund gehören zu den Megapoden. Das Besondere ist ihre Art der Brutpflege. Sie bauen keine Nester im üblichen Sinn, sondern eine Art Brutofen. Dazu legen sie eine Grube an, die mit Grünabfällen gefüllt wird. Dahinein kommen die Eier, sechs bis acht Eier, je nachdem, ob es ein gutes oder ein schlechtes Jahr ist. Zwischen jeder Eiablage vergeht eine Woche. Das hat seinen Grund zum einen darin, dass das Ei sehr viele Nährstoffe enthält, die die Mutter erst mal anfressen muss. Und zum anderen dient es dem Überleben des Nachwuchses, denn so schlüpfen die Küken im Wochenabstand und müssen sich deshalb nicht mit ihren Geschwistern um das wenige Futter streiten. Sobald das erste Ei abgelegt ist, kümmern sich beide Eltern darum dass die Temperatur in der Brutkammer konstant bei 33 Grad bleibt. Dies geschieht, in dem am Morgen die Deckschicht aus Sand und Kies verringert und am Nachmittag wieder angehäuft wird. Die Prüfung der Temperatur geschieht mit der Zunge. Nach rund sieben Wochen schlüpft das erste Junge und ist sofort alleine lebensfähig, bereits am zweiten Tag kann es fliegen und sich nachts in einen Baum, einen Mallee, zurückziehen, wo es - nach herkömmlichen Maßstäben - geschützt ist. In diesen Bäumen übernachten auch die Eltern, für die mit dem Schlüpfen des letzten Kükens die Arbeit erledigt ist. Bis zum Winter, denn dann wird die Grube gereinigt von den verrotteten Resten des vergangenen Jahres, um im Frühjahr wieder gefüllt zu werden. Gefährlich für das Überleben der Vögel ist zum einen die massive Einschränkung ihres Lebensraums durch exzessive Landwirtschaft, der die riesigen Malleewälder zum Opfer gefallen sind, zum Anderen eingeschleppte Raubtiere wie Füchse, Katzen und Hunde. Diese versucht man hier durch Gift im Zaum zu halten. Es gibt hier giftige Pflanzen, deren Gift für die australische Wildlife relativ ungefährlich ist, das aber für Zuwanderer tödlich ist. Das stellte für die Siedler Mitte des vorletzten Jahrhunderts ein großes Problem dar, denn ihre Schafe und Kühe fraßen die dieses Gift enthaltenden Pflanzen natürlich auch.
Auf dem Weg zum Stirling Range NP, unserem Tagesziel, verfahren wir uns.
Auf dem Caravan Park findet sich ein Plätzchen für uns.
Die Volunteer, die später kommt, um unseren Camping Fee zu kassieren, trägt lange Hosen und Fleece, spricht aber vom warmen australischen Wetter. Trotz meiner doch etwas heftigen Gegendarstellung (immerhin sind wir seit Port Borroughs nur noch in Kambalda nach dem Abendessen draußen gesessen, und das war auch nur, weil wir uns mit den Deutschen von pistenkuh.de unterhalten wollten, trotz Nieselregen und kühlem Wind) gibt sie mir zuerst doch recht, was die Kühle hier betrifft und danach einige Tipps zum Birdwatching. Tatsächlich, kurz nach sechs fliegen rund 50 White Tailed Black Cockatoo ein, um aus dem Creek  zu trinken. Das Geräusch hätte ich allerdings nie mit Cockatoos in Verbindung gebracht. Und kurz danach, es ist fast schon dunkel, kommen auch zwei Laughing Kookaburra mit lautem Geschrei angeflogen.

Mittwoch, 6. März 2013
Um 20 nach fünf weckt mich ein Donner. Kurz darauf sehe ich den Widerschein eines Blitzes und höre den nächsten Donner. Dann beginnt der Regen. Raus und Fenster zu machen. Soll ich den Tisch umlegen? Ach nein, es regnet zu sehr, zurück nach oben und in den Schlafsack. Mist, meine Stiefel stehen noch draußen. Also wieder raus aus dem Schlafsack, raus in den Regen, Stiefel und Strümpfe in die Fahrerkabine, den Tisch auf die Seite legen und wieder rein. Richtig einschlafen tue ich nicht. Nach 20 Minuten ist alles vorbei. Eine Stunde später scheint die Sonne, wir frühstücken im Freien.
Während wir den Great Ocean Drive entlang fahren, bezieht sich der Himmel wieder, am Twilight Beach werden wir von einem erneuten Thunderstorm (Gewitter) überfallen. Pink Lake ist gar nicht pink heute, das liegt an dem vielen Wasser der letzten Tage.
In Raventhorpe sind wir uns nicht recht einig, wie es weitergeht. Ich würde gerne in den Fitzgerald River NP und dort an der Küste übernachten, Brigitte zieht es vor landeinwärts fahren, um dem schlechten Wetter auszuweichen. Letztlich, nach einem Umweg in Richtung Westen, folgen wir ihrem Rat, als es nämlich im Südwesten immer dunkler wird. Über 70 km Gravelroad in sehr gutem Zustand geht es zurück nach Nordosten. Und so übernachten wir auf dem Caravan Park von Lake King, das im Prinzip nur aus einem Roadhouse besteht. Aber es gibt eine Camp Kitchen, deshalb stellt der Wind kein Problem dar. Zu meiner großen Überraschung füllt sich der Platz mit Wohnwagen. Wer fährt schon nach Lake King?

Dienstag, 5. März 2013
Gegen sechs wirft unser "Nachbar" seinen Generator an, ich muss sagen, dass mich das ärgert. Er hat ihn möglichst weit von seinem Caravan entfernt im Wäldchen platziert, so bekommen wir den Lärm ab. Zum Glück hatte er gestern Abend keinen Sprit (er bekam gerade einen Kanister voll gebracht, als ich vorbei kam), sonst wäre uns schon der Abend ein wenig verdorben worden.
Und wieder unterbrechen wir unsere Fahrt hier und da, um Goannas und Sleepy Lizzards auf der Straße zu betrachten und an den Rand zu geleiten.
Im Cape Le Grand National Park (zwanzig Kilometer im Osten von Esperance) ist es ähnlich wie in Cape Arid - und doch ganz anders. Die Dünen sind ähnlich groß, sind aber  wesentlich dünner bewachsen. Das Buschland ist lange nicht so dicht und die Büsche stehen nicht so hoch. Dafür gibt es richtig schöne Felsformationen, riesige Outcrops mit Boulders und Breakaways. Einer der Felshügel heißt "Frenchman Peak", er hat eine Kappe, die wie eine Jakobinermütze aussieht. Wir machen einen schönen Spaziergang an Le Grand Beach. Doch, er heißt tatsächlich so, keine Ahnung, wie sie das hier aussprechen. Nur leider, kaum sind wir aus dem Auto ausgestiegen, verschwindet die Sonne hinter den Wolken, um erst dann wieder hervorzukommen, als wir unseren Weg abgeschlossen und uns mit einem Anzac-Cookie belohnt haben. Die Wellen sind niedriger, der Wind ist wieder da, deshalb ist das Meer heute nicht so einladend wie gestern.
Und dann kommt die Enttäuschung: Beide vorgesehenen Campingplätze hier im NP sind voll, wir müssen uns was Neues ausdenken. Und so kehren wir, vorbei an Stonehenge (einer 1:1 Replikation der Steinkreise in England), zurück nach Esperance.
In der Camp Kitchen ist ziemlich Betrieb, aber es macht Spaß, mit all den Leuten ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen.

Montag, 4. März 2013
Ein Tag an bzw. in Cape Arid.
Im Büro des Caravan Parks kann man "WA Annual ALL" kaufen. Das ist die ein Jahr gültige Zugangsberechtigung zu allen Nationalparks und Conservation Parks in Western Australia. Den wollte ich sowieso haben, denn Nationalparks gibt es hier wirklich jede Menge. Alles, was irgendwie sehenswert ist, ist ein NP und kostet Eintritt. Cape Arid NP, etwa 100 Kilometer östlich von Esperance gelegen, ist einer davon. Wunderschönes Buschland (meist sind es Banksias, sie werden 2 bis 4 m hoch, die in Verbindung mit Acacias, Blue- und Saltbushes, Paperbarks  und Eukalyptus beidseits der Straßen, Wege und Tracks ein undurchdringliches rund 2 m hohes Dickicht bilden. Das Dickicht ist so dicht, dass die Wege den  Spuren nach sogar von Kängurus benutzt werden. Oder ist es umgekehrt, die Kängurus bereiten die Wege vor, die Menschen nutzen sie? Wer weiß das schon.), riesige Dünen mit strahlend weißem Sand, Vögel, die man hören, aber nur selten sehen kann (Thornbills, Wattlebirds, Nyii-Nyii, Wrens, Magpies, Lark-Magpies, Willy-Wagtails, dazu kreisen Fletch Tailed Eagles und Falken über uns), 4WD-Straßen, die ihren Namen verdienen (sandige Strecken, Wasser, Matsch, der Track so schmal, dass unser Landcruiser "die Ohren anlegt", felsige Buckel und dann wieder, zur Erholung, ruppige rote Fahrbahn. Ich bin alles mit H4 und normalem Reifendruck gefahren, es gibt also noch Optionen), herrliches Wetter, gut ausgezeichnete Buschwalks und traumhafte Strände. Togan Beach zum Beispiel ist etwa 3 km breit, hat rechts und links felsige Begrenzungen und dazwischen einen etwa 20 m tiefen weißen Sandstrand. Die Farbe des Wassers reicht von türkisfarbig in Strandnähe bis dunkelblau weiter draußen, die Wellen sind etwa 1 m hoch, das Wasser angenehm warm - und wir sind völlig alleine. Da können wir in Ruhe baden gehen. Der Strand hinter unserem Übernachtungsplatz, der nur eine Dünenbreite vom Wasser entfernt ist, ist etwas kleiner und enger und nicht ganz so einsam, aber sonst genauso schön.
Es wundert mich, das heute, an diesem verlängerten Wochenende, nicht mehr Menschen hier in diesem Park anzutreffen sind. Es ist nämlich Labour Day hier in Western Australia, und Labour Day ist ein Public Holiday. Das heißt, dass immer dann, wenn der Tag auf Samstag oder Sonntag fällt, der nachfolgende Montag frei ist. Das ist eine sehr gute Regelung, finde ich.
Die Sonne geht schon vor 19.00 Uhr unter und dann wird es schnell dunkel, so dass wir endlich mal wieder Sterne anschauen können. Gelegentlich ziehen Wolken vorbei.

Sonntag, 3. März 2013

Sonntag, 3. März 2013, Esperanza, WA



Sonntag, 3. März 2013
Es bleibt die ganze Nacht trocken, zumindest habe ich nichts Gegenteiliges gehört. Erst um sieben werde ich richtig wach. Es ist lange nicht so dunkel wie die letzten zwei Tage, aber noch immer ist der Himmel stark bewölkt.
Über die ALT94 erreichen wir den Coolgardie-Esperance Hwy, der uns an unser Tagesziel führen wird. Auch Lake Cowan hatte bei unserer letzten Vorbeifahrt ein völlig anderes Aussehen. Dafür quaken jetzt die Frösche.
In Norseman unterbrechen wir unsere Fahrt, später dann in Duncan und in Salmon Gums. Und in Grass Patch haben wir das Tief wieder eingeholt, es wird etwas kühler und vor allem feucht von oben. Im Süden sieht es finster aus.
Brigitte hat unterdessen in einer Broschüre über Esperanza einige in Frage kommende Campingplätze herausgesucht, gleich den ersten nehmen wir. Er ist ziemlich voll und dennoch recht ruhig. Die Camp Kitchen macht einen guten Eindruck, mal sehen, wie sich das bei der Benutzung darstellt.
Ich frage mich, warum ich so viel über das Wetter schimpfe. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass wir bei der Größe unseres Autos darauf angewiesen sind, viel Zeit im freien zu verbringen - und dafür sollte es wenigstens warm und trocken sein. Dazu kommt, dass es für mich kaum zu warm sein kann. Hier in Esperanza ist es wenigstens trocken.

Samstag, 2. März 2013
Am Morgen ist es von oben her trocken, allerdings ist der Himmel grau in grau. Wolkenberge. Immer wieder nieselt es, aber das ist kein Vergleich zu gestern. Große Seenlandschaften rechts und links der Straße, immer mal wieder "water on road" - aber mehr Schilder als tatsächlich Wasserdurchfahrten. Immerhin, das Auto ist jetzt schön sauber.
In Kalgoorlie besichtigen wir die verbliebenen Wasserschäden, sie halten sich in Grenzen, aber man sieht schon, dass hier was war. Wir schlendern Hannan einmal runter und dann wieder rauf.
Leider finden wir den Zugang zur Trans Access Road nicht. Die in unserer Karte eingezeichnete Zufahrt ist gesperrt, Golden Ridge ist nirgendwo ausgeschildert. Pech. So fahren wir auf dem Hwy (ALT94, 94) nach Süden, um uns in Widgiemooltha die nächste Abfuhr einzuhandeln: Der Wirt meint, der Campingplatz sei zu durchweicht, wir sollten nach Norseman weiterfahren. Nun, das machen wir sicher nicht, stattdessen beschließen wir, nach Kambalda zurückzukehren. Auf dem Weg dorthin kommt wieder die Winsch zum Einsatz, ein Fahrzeug hat sich neben der Straße festgefahren.
Weil die Rezeption in Kambalda momentan nicht besetzt ist, fahren wir zum Red Hill Lookout, um erneut einen Blick auf den Lake Defroy zu werfen. Heute ist er nicht weiß wie vorgestern, sondern rot - durch den vielen eingeschwemmten roten Sand. Wie wird das Salz wieder weiß?
Auf dem Caravan Park stellen wir uns neben einen lila Landcruiser, pistenkuh.de steht drauf. Und tatsächlich, es sind zwei Deutsche, die ihr Leben auf Reisen verbringen und u. a. auch davon leben. Sie schreiben und verlegen ihre Reiseberichte und DVDs. Wir sitzen beisammen und tauschen uns aus. Hochinteressant, was die beiden zu berichten haben. Nur wundert mich, dass sie trotz ihrer vielen Reisen durch Afrika und Australien eher schlecht Englisch sprechen, sogar noch schlechter als ich. Sie warten übrigens hier in Kambalda, bis die Canning Stock Route aufmacht, damit sie auf diesem Wege in den Norden fahren können. Am 11. Juni geht ihr Flug zurück nach Deutschland, wo ihre Tochter lebt (und sie polizeilich gemeldet sind). Nur gelegentlich wird unsere "Sitzung" durch Nieselschauer gestört.

Freitag, 1. März 2013
Morgens regnet es noch immer. Auf dem Weg zur Camp Kitchen (um das Teewasser zu erhitzen) stehen das Wasser etwa 5 cm hoch. Gut, dass ich nur Crocks an den Füßen habe. Aber auch sonst ist der Campingplatz ziemlich unter Wasser. In Kalgoorlie summieren sich die Wassermassen in den Straßen schon auf bis zu 15 cm Höhe, das reicht bei manchen Wagen bis zur Radnabe. Mit solchen Regenfällen wird die Kanalisation hier einfach nicht fertig. Rechts und links der Straße auf unserem Weg nach Norden bilden sich erste Seen. In Menzies holen wir uns Straßeninformationen bei der V. I., alle Dirtroads im Shire sind geschlossen.
Wir fahren nach Leonora, um die Ghosttown Gwalia anzusehen. Ein gutes Ensemble ehemaliger Miner-Häuser aus Holz ("Fachwerk"), Wellblech (Außenwände und Dächer) und Stoffbahnen (Tapeten). Einerseits ist es schade, dass es so regnet, denn dann macht es keinen Spaß, rumzulaufen und die Häuser anzusehen, andererseits gibt es einen sehr guten Eindruck davon, wie es in solchen Häusern bei widrigen Wetterbedingungen war: Zugig und nass, denn Decken und Wände sind nicht ganz dicht.
Auch die Information aus Leonora lautet: All unsealed roads in the shire are closed. So müssen wir über den Hwy nach Süden fahren, um nach Kookynie zu kommen. Hin und wieder führt unser Weg durch Wasser, das die Straße überquert ("Water over Road" steht auf den Warnschildern, wenn es solche überhaupt gibt) und zweimal auch einen Creek durchqueren, der sein Bett quer über die Straße verlegt hat. Auch Kookynie ist eine Ghosttown, allerdings stehen an den Straßen nur noch die Reste zweier Häuser, alles andere ist durch Informationstafeln ersetzt. Das ist ein bisschen schwach. Zu dumm: Der Campingplatz hat wegen des Regens geschlossen, der Boden ist zu sehr aufgeweicht. Und so müssen wir uns wieder auf den Weg machen und bleiben letztlich in Menzies auf dem kommunalen Caravan Park. Es regnet nach wie vor, das sind Reste eines Zyklons, der über dem nördlichen Western Australia angelandet ist. Morgen Vormittag soll der Regen nachlassen, sagt man. Ich gebe auf und krame meinen Pullover aus dem "Keller" unter der Bank heraus, es ist einfach zu kühl.
Aus dem gleichen Grund finden Kochen und Essen in der Camp Kitchen statt, trotz der acht netten jungen Männer, die sich hier breit gemacht haben. Als ich mit dem Kochen fertig bin, räumen sie uns ungefragt sofort Platz an einem der beiden Tische ein, so dass wir dort essen können. Wenig später gehen sie zum Dinner ins nebenanliegende Hotel. Wir bleiben in der Kitchen, da ist es wärmer als im Auto.
Es regnet nach wie vor. Die Fenster im Auto  bleiben heute Nacht erstmals zu, es regnet sonst rein.

Donnerstag, 28. Februar 2013
Kaum haben wir uns zum Frühstück hingesetzt, kommen Wind und Wolken wieder vorbei, das ist ein bisschen unangenehm.
Kurz nach Norseman überholen wir einen Güterzug, ich halte wenig später und filme seine Vorüberfahrt. Der Fahrer hupt, als er an mir vorbeifährt. Das Ensemble besteht aus: zwei Lokomotiven, dann etwa 100 Waggons, wieder zwei Lokomotiven und schließlich weiteren etwa 60 Waggons. Alle Waggons sind vierachsig, die Lokomotiven haben sechs Achsen an zwei Drehgestellen. Ich zähle die Waggons, als wir das nächste Mal den Zug passieren, da kann sich eine Ungenauigkeit einschleichen.
In Widgiemooltha wurde 1934 der "Golden Eagle Nugget" gefunden, ein 1.134 Unzen schwerer Goldbrocken, der elfgrößte Fund der Welt. Die Regierung hat ihn später dem Finder für rund 5000 Pfund Sterling abgekauft. Das war zu der Zeit sicherlich eine Menge Geld, aber ob es ein realistischer Preis war? Ich habe da so meine Zweifel. Heute wäre dieser Goldklumpen etwa 7.000.000 € wert. Er existiert nicht mehr, er wurde eingeschmolzen und in kleinen Gebinden verkauft.
Während wir uns Kambalda, eine dieser neu aufgebauten Minenstädte in dieser Gegend, ansehen, rollt unten in der Ebene der Güterzug wieder an uns vorbei.
In Kalgoorlie besuchen wir dieses Mal das Western Australian Museum, das wir beim letzten Besuch ausgelassen hatten - der Besuch hat sich echt gelohnt. Man lernt viel über die menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen die Minenarbeiter und ihre Familien zu leiden hatten.
Auf dem Campingplatz angekommen, verstauen wir unsere Einkäufe und waschen eine Maschine schmutziger Wäsche. Wenn das mal gut geht: Über uns scheint sich was zusammenzubrauen, und die Sachen hängen an der Leine! Von Nordosten kommt eine stahlblaue Wolkenwand ohne Strukturen, nur im Westen bleibt es himmelblau. Das bringt uns einen wunderbaren Sonnenuntergang, während wir zu Abend essen. Und dann löst sich die scheinbar so massive Wolkenwand in dünne Wolkenfetzen auf. Das Abendessen vergeht ohne Unterbrechung und unsere Wäsche wird trocken.
Als ich ins Bett gehe, sind außer einem verschleierten Mond keine Himmelskörper zu sehen. In der Nacht beginnt es zu regnen.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Mittwoch, 27. Februar 2013, Norseman, WA



Mittwoch, 27. Februar 2013
Seit Caiguna ist Perth-Zeit. Sogar diese zweieinhalb Stunden Verschiebung machen sich bei mir bemerkbar: Ich wache schon um halb vier auf. Die Nacht ist wieder reichlich kalt, die Platte unseres über Nacht draußen stehenden Tisches ist voller Wassertropfen - kondensierte Luftfeuchtigkeit. Beim Richten unseres Frühstücks ist es windstill und in der Sonne auch deutlich wärmer als im Auto. Während des Teekochens kommt Wind auf und während des Frühstücks geht die Sonne hinter Wolken verloren. Entsprechend verkürzt sich unsere "Sitzzeit" und wir brechen bald auf. Beim Einpacken der Stühle fallen sogar einige Regentropfen.
Auf dem ersten Rastplatz mit einer Toilette halten wir an, ich benutze die Zeit, um die Uhr am Autoradio auf Western Australia auszurichten. Auch in Balladonia machen wir einen Stopp, um uns das nächste Loch des Nullarbor Links anzusehen. Das in Fraser Ranges verpassen wir, weil ich nichtmehr weiß, dass dort auch ein Hole ist.
In Norseman können wir endlich wieder ein paar frische Dinge für unseren Speiseplan (Tomaten, Kartoffeln, Brot) einkaufen. Durch die strikten Regelungen beim Übergang von SA nach WA haben wir seit zwei Tagen nichts  mehr außer Konserven, Reis und Nudeln, denn auf dem bisherigen Weg durch Western Australia ist kein Laden.
Auch in Norseman sind zwei Bahnen des Nullarbor Link, hier sind sie halbwegs integriert in den örtlichen 18-Loch Golfplatz. Das Greenfee für den Platz beträgt für Gäste hier übrigens 5$, die man in eine Dose steckt. Bahn 3 des Golfkurses führt am Caravan Park vorbei, direkt neben unserem Auto ist der Abschlag.
Es ist noch immer sehr windig und entsprechend müssen wir uns mit 24 Grad begnügen ;-).

Dienstag, 26. Februar 2013
Eyre Bird Observatory und 90 Mile Straight
Die drei Camperparteien, die gestern aus Westen gekommen sind, sind zuerst wieder auf Achse, wir sind die letzten der Drei. Nach kurzer Fahrt biegen wir ab nach Süden, zum Eyre Bird Observatory. Das hatte ich schon vor sieben Wochen vor, habe es dann aber auf die zweite Durchfahrt verschoben. Zum Teil war daran sicherlich die Angst vor dem 4WD-Teil der Zufahrt schuld. Aber mit H4-Antrieb und wenig Luft in den Reifen (nur 25 PSI) ist das alles kein Problem. Am Observatory angekommen, bekommen wir gleich eine gute Einführung in die Geschichte des EBO und seiner ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter und das, obwohl wir "nur" Tagesgäste sind. Die Vergangenheit des Gebäudes, einer Telegrafenstation , die in den Jahren 1897 bis 1927 die Verbindung von Adelaide nach Albany sichergestellt hat, kommt dabei nur kurz zur Sprache. Aber das "Museum" gibt Auskunft über alles, was ich in diesem Zusammenhang wissen will. Beeindruckend finde ich dabei den Bericht aus der Sicht eines Mädchens, das hier zusammen mit zehn Geschwistern aufgewachsen ist. Sie fand das Leben hier jedenfalls nicht besonders attraktiv.
Ein (ausgezeichneter und genau beschriebener) Walk rund um die Station schließt sich an. Leider sehen wir nicht wirklich viele Vögel. Die meisten sind nur zu hören, nicht zu sehen. Vielleicht ist es ja nicht warm genug. Ein Besuch am Strand mit dem Auto rundet den Aufenthalt hier ab. Der Sand am Strand und an den Dünen ist so weiß, das glaubt man kaum. Die Dünen wandern hier trotz einer für australische Verhältnisse üppigen Vegetation 1,50 m im Jahr landeinwärts.
Wir müssen dann wieder los, denn hier darf nicht gecampt werden und die Fahrt bis zum Hwy dauert seine Zeit. 32 km Dirt mit teils schwierigen Bedingungen. Meine Angst vor "Sandfahrten" ist heute kleiner geworden. Außerdem müssen wir die Reifen unterwegs wieder aufpumpen und uns danach eine Platz für die Nacht suchen.
Der findet sich an der "90 Mile Straight", einem Teilstück des Eyre Hwy, das auf eine Länge von 90 Meilen oder 145,6 km schnurgerade ist. Wir fahren diese Strecke heute zum zweiten Mal, aber so richtig beeindruckend ist das nicht. Klar, so gerade Strecken sind ein tolles Erlebnis, aber 130 km oder gar mehr kann man überhaupt nicht überblicken. Mehr als 16 km sind nicht drin, und das auch nur, wenn am Anfang, am Ende oder in der Mitte ein Hügel ist. Aber hier, wo noch dazu alles bretteben ist?
Eines ist trotz des Grenzübertritts nach WA geblieben: Der Wind, der nach wie vor mächtig aus Süden bläst. Unsere Flaschen auf dem Tisch werden umgeworfen, auch die Stühle sind nicht sicher, nicht mal der Tisch bleibt verschont. So ziehen wir uns ins Auto zurück. Immerhin, die Sonne scheint, die Wolken bleiben am Horizont.
Heute ist Vollmond. 

Montag, 25. Februar 2013
Zurück in Western Australia! Zurück in der Wärme?
Heute steht uns wieder dieses Zeitwirrwarr bevor: Eucla hat eine um 1:15 h versetzte Zeitzone gegenüber dem Rest von Western Australia. Ich werde versuchen, das zu ignorieren und bis Caiguna so tun, als seien wir noch in SA.
Immer weiter geht es in Richtung Westen den Eyre Hwy entlang. Bei jeder Gelegenheit halten wir an, um einen Blick auf die Klippen und das Meer zu werfen. Das Wetter wird zunehmend besser, die Wolken treiben etwas langsamer als wir nach Westen und lösen sich dabei auf. Ab Border Village - wo wir natürlich auf Frischwaren kontrolliert werden und der Kontrolleur sich sowohl beim Ein- als auch beim Aussteigen den Kopf anstößt - ist über uns blauer Himmel. Allerdings ist es kühler als es aus dem Auto heraus aussieht. Wir halten bei einigen Holes des Nullarbor Golf Links, des längsten Golfkurses der Welt. Komisch, ich hatte völlig vergessen in den fünf Wochen seit unserer letzten Fahrt hier, dass rechts und links der Straße jede Menge Bäume wachsen. In der Roe Plains, zwischen dem Eucla- und dem Madura-Pass, sind es Akazien, vorher waren es Eukalypten. Überhaupt beschränkt sich die eigentliche Eigenschaft der Nullarbor, nämlich die Baumlosigkeit, auf einen nur etwa 30 km breiten Streifen am Ostrand des Nullarbor National Parks. Bemerkenswert ist das trotzdem. Der ganze Randbereich der Great Australian Bight ist eine einzige 250 km lange, im Durchschnitt 80 km breite und rund 300 m dicke Limestone Platte.
In Madura, hier waren wir vor 37 Tagen schon einmal, richten wir uns für die Nacht ein. Bei der Auswahl unseres Stellplatzes gibt es wie immer vier Kriterien: Erstens muss die Ausrichtung so sein, dass unsere Kochflamme nicht ausgeblasen wird, zweitens sollte das Auto einigermaßen waagerecht stehen wegen des Schlafens, drittens so, dass möglichst viel Schatten für uns in der Nähe des Wagens ist und viertens sollte die Sonne nachmittags und abends nicht direkt in das Auto scheinen. Der vierte Punkt ist heute nicht gegeben, ob es mit dem Kochen klappt, wird sich noch herausstellen, der Wind ist ziemlich stark. Das Wasser im Swimmingpool hier ist ziemlich kühl, ich weiß gar nicht, wie sie das hinbekommen.

Sonntag, 24. Februar 2013
Die fünf Parteien um uns herum - die irgendwie zusammen gehören, obwohl sie aus verschiedenen Staaten sind - brechen schon auf, als wir uns zum Frühstück hinsetzen. Dabei wollen sie auch nicht weiter als wir.
Vor der Abfahrt fülle ich unseren Frischwassertank. Das Wasser hier ist zwar stark gechlort, so dass man es im Tee deutlich schmeckt. Aber besser gechlortes Wasser im Tank als keines. In Pelong prüfe ich unseren Reifendruck, auch hier besteht ein Defizit. Offensichtlich hatten unsere Vorgänger eine Sandfahrt gemacht und der Vertreter von Bruno und Chris in Adelaide hat vor der Übergabe an uns den Reifendruck und den Wasserstand nicht geprüft.
In Nundroo schauen wir uns nur ein wenig um, hier steht der letzte Getreidesilo auf unserer Strecke. Ansonsten ist es ein sehr kleiner Ort, der besonders an einem Sonntagmorgen wenig bietet. Die Agrarwirtschaft hat jetzt tatsächlich ein Ende, rechts und links der Straße erstrecken sich nicht mehr abgeerntete Felder, sondern zunehmend Brachland. Prompt finden sich wieder Tierkadaver am Straßenrand, Futter für Raben und Raubvögel.
Diesmal halten wir bei "Head of Bight" an. Nur Pech, dass es gerade regnet, dass der Himmel schon den ganzen Tag bewölkt ist und dass es um diese Zeit natürlich keine Wale zu sehen gibt. Also ist die Ausgabe für den Ausflug an die Küste eigentlich vergebens. Und doch, es ist schön.
Wenig später, aber doch zwei Gelegenheiten später als eigentlich geplant, halten wir auf einem Rastplatz an und richten uns für die Nacht ein. Wir brauchen noch ein Abendessen - und somit eine weitere Nacht - in Südaustralien, um unseren frischen Lebensmittel zu verbrauchen. Leider verabschiedet sich der Staat reichlich kühl und mit viel Wind von uns.

Samstag, 23. Februar 2013
Nach dem Frühstück macht Brigitte den Kühlschrank sauber, da ist noch Kondenswasser und Abfall unserer Vorgänger drin. Ein "normaler" Landcruiser mit Wohnwagen kommt angefahren, aber er sieht nicht mehr gut aus - und wird dann auch (ohne Wohnwagen) auf einem Autotransporter abgefahren. Wir machen uns auf nach Westen. Verschiedentlich halten wir unterwegs, um uns ein wenig umzusehen. Nach wie vor fahren wir durch agrarwirtschaftlich genutztes Land. Neben der Straße verläuft die Bahnlinie. Gestern Abend kam ein Zug am Campingplatz vorbei: Vier Lokomotiven und 37 Getreidewaggons. Ab und zu lasse ich einen Roadtrain überholen, indem ich auf den Randstreifen fahre. Die Fahrer wissen das im Allgemeinen zu schätzen. Als das Land wieder mehr und mehr zu Brachland wird, haben wir die Eyre Peninsula fast durchquert. Wir erreichen Ceduna.
Dort (der Name ist abgeleitet von aboriginal Chedoona, "Rastplatz") suchen wir uns einen Caravan Park (es gibt mindestens fünf hier am eigentlichen Ausgangspunkt für die Durchquerung der Nullarbor) und nehmen den mit Strandzugang. Auto abstellen, umziehen und ab an den Strand und ins Wasser. Das ist besser als ein Pool auf dem Platz, denn das Wasser ist angenehm, gerade richtig für einen Tag wie heute.
Als wir zurückgehen zu unserem Auto beginnt es wieder zu blasen und aus Süden ziehen Wolken auf. In der Nacht regnet es.

Freitag, 22. Februar 2013
Nach dem Frühstück rufe ich in Sydney an um mich für die gute Abwicklung zu bedanken und Brigittes von mir vergessene Jacke und den Schlafsackbeutel anzumelden. Angelika will sich darum kümmern. Außerdem versuche ich es wieder bei James (auf dem Mobil), aber auch heute kommt nur die Sprachbox. Auch recht.
In Pt. Augusta führt uns unser Weg zu Coles, dann zum Outback Centre und zuletzt zu Sip'n'Save. Jetzt sind unsere Schränke wieder gut gefüllt. Zum vierten und hoffentlich letzten Mal auf dieser Reise sind wir in PA. Zwei Mal kamen wir aus Richtung Adelaide, einmal aus den Flinders und einmal aus den Gawler Ranges; beim ersten Mal ging's auf den Lincoln Hwy, beim zweiten Mal fuhren wir auf dem Stuart Hwy aus der Stadt heraus, beim dritten Mal auf der A1 nach Adelaide und diesmal benutzen wir den Eyre Hwy.
In Iron Knob halten wir an und machen eine Pause, dann fahren wir durch nach Kimba, wo wir uns den "Big Galah", eine überdimensionale Nachbildung eines dieser netten rot und grauen Kakadus, die man fast überall dort findet, wo es  River Red Gums gibt. Kurz vor Kimba beginnt wieder Landwirtschaft. Das sieht man zu einen an den großen Feldern, zum anderen an den Viterra Silos, die ab jetzt in fast jedem Ort stehen. Die hier haben Eisenbahnanschluss. Hier in Kimba steht auch ein Denkmal für Edward John Eyre und seinen Aboriginal Helfer und Freund Wylie, die diese Gegend in der ersten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts erkundet und zugänglich gemacht hatten. Und außerdem ist hier auf dem Caravan Park beim Roadhouse unser Platz für heute Nacht. Auf dem Eyre Hwy (benannt nach eben jenem Edward John Eyre) ist so wenig Verkehr, dass es nichts ausmacht, dass wir in Sichtweite der Straße stehen.
Am späten Nachmittag kommen noch drei Motorradfahrer und ein Wohnmobil. Plötzlich ist über uns ein schöner grüner Papagei mit schwarzem Kopf und gelbem Bauch, ein Australian Ringneck - und lässt sich einigermaßen fotografieren. Er singt richtig schön, ganz anders als die anderen Vögel aus dieser Gattung.
Starker Wind kommt auf, an Kartenspielen ist nicht mehr zu denken. Sogar Ausrüstungsteile der Motorradfahrer kommen angeflogen.

Donnerstag, 21. Februar 2013
Beim Frühstück lassen wir uns viel Zeit, aber irgendwann müssen wir ja aufbrechen. Nach dem Tanken - gerade so viel, dass wir in Adelaide mit 1/4 Main ankommen - rollen wir nach Süden, immer auf der A1, dem Princess Hwy, der hier allerdings Port Wakefield Hwy heißt. Wieder geht es durch die Baustelle der South Road - sie wird hier in die nächsthöhere Etage verlegt - und schon sind wir an unserem Ziel angelangt. Das Umladen unserer Sachen dauert einige Zeit und so sind wir erst gegen eins bereit zum Aufbruch. Hoffentlich haben wir alles.
Auf dem Weg nach Norden umfahren wir diesmal die Baustelle und sparen so viel Zeit, Zeit, die wir andererseits ja auch haben. In Dublin kaufen wir Gemüse und Obst direkt von der Farm, in Pt. Wakefield stopfen wir unsere Tanks voll und in Pt. Pieri fahren wir zur Visitor Information. Gerade noch rechtzeitig vor der Schließung sind wir da und bekommen bereitwillig Auskunft, sogar mehr, als wir eigentlich wollten. Den beiden Damen gefällt unsere Reise und so sind sie gerne bereit uns zu unterstützen. Sie finden sogar heraus, dass die Trans Access Road von Tarcoola bis Kalgoorlie für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist. Schade, aber gut zu wissen. Beide waren übrigens schon in Deutschland, speziell in München. Eine der beiden ist schon selbst durch Simpson Dessert gefahren!
Neben uns auf dem Campingplatz steht eine holländische Kleingruppe (zwei Personen), deutlich erkennbar an seinem Oranje-Shirt. Wir kommen allerdings nicht ins Gespräch.
Spätestens beim Kochen bin ich mit dem neuen Auto sofort versöhnt, die Küche ist echt klasse. Ein Gasherd, der wahlweise im Innern oder hinter dem Auto betrieben werden kann, eine sinnvolle und durchdachte Einteilung der Schränke - besser als bisher. Außerdem hat der Neue, der in NSW zugelassen ist, 1/3 weniger Kilometer auf den Rädern. Aber das wird für uns hoffentlich weder positive noch negative Auswirkungen haben. Ich gehe davon aus, dass er uns die verbleibende Zeit aushält.
Der Himmel ist mit Wolken überdeckt, Bei  Mt. Remarkable, nur wenige Kilometer östlich von uns, scheint ein Gewitter zu sein, zumindest blitzt es dort. Wenig später ist es auch bei uns. Der Niederschlag hält sich in Grenzen, aber wir müssen die Fenster am Auto schließen, damit es nicht reinregnet.

Mittwoch, 20. Februar 2013
Der Wind hat nicht nachgelassen, in Böen erreicht er nach wie vor Sturmstärke und er wiegt unser Auto nicht gerade sanft hin und her. So bleiben wir auch zum Frühstück im Innern.
Wir sehen uns weitere Teile des Nationalparks an, dann fahren wir zurück. An Marion vorbei folgen wir der Scenic Road an der Südküste, um dann in Edithbourgh eine Pause einzulegen. Ab hier geht es an abgeernteten Feldern vorbei auf dem Vincent Hwy nach Norden, immer weiter. Immer wieder kommen wir vorbei an riesigen Getreidesilos der Viterra, einer Agrarfirma. In Port Giles und in Adrossan haben sie extra Anlagen, um automatisch Schiffe beladen zu können. Die Küste scheint hier sehr steil abzufallen, denn auch in Edithbourgh konnten große Schiffe an der Jetty anlegen.
In Port Wakefield telefoniere ich mit Bruno, es bleibt bei dem Austausch morgen, allerdings sollen wir nicht zu früh kommen, damit sie noch Zeit haben für Reinigungsarbeiten. Dafür soll ich nicht tanken, oder höchstens so, dass der Tankinhalt dem bei der Übernahme entspricht.
Wir fahren auf den Campingplatz und machen erst mal unseren Landcruiser sauber, beseitigen die Spuren von sieben Wochen Fahrt durch Australien. Etwa ein Drittel (4.911 von 13.678 km) unserer bisherigen Strecke haben wir auf "unbefestigten" Straßen zurückgelegt, das hinterlässt selbst bei zurückhaltender Fahrweise deutliche Spuren auch im Innern des Autos. Denn so dicht wie erforderlich ist die Hecktür nicht.
Es gibt leider keine Camp Kitchen, das ist schlecht, weil es nach wie vor heftigen Wind hat. Nicht mehr ganz so stark, dafür etwas wärmer als heute früh, aber immer noch zu viel, um an der Hecktür des Autos zu kochen. Wir verziehen uns in die Nähe eines Hauses, um dort den Windschatten auszunutzen. Dann ziehen auch wieder Wolken auf. Südaustralien ist im Süden wettermäßig gesehen einfach schlecht - es stürmt oder es ist sogar im Hochsommer kalt oder beides.

Dienstag, 19. Februar 2013
Unser Frischwassertank ist, wie ich gestern Abend festgestellt habe, total leer. Zum Glück hat das Wasser hier  eine Tee-geeignete Qualität und schmeckt neutral, so kann ich nach dem Frühstück unseren Tank auffüllen. Dabei wird zufällig auch ein Teil des getrockneten Schlamms von der Karosserie gespült.
Quer durch die Halbinsel fahren wir nach Süden. In Kadina besuchen wir das Visitor Information Centre, hier gibt es kostenlosen Internetzugang und somit eine gute Gelegenheit, nach den Mails zu schauen.
In Maitland und in Minlaton wandern wir durch die Hauptstraße und sehen uns Geschäfte an. Dabei beschließen wir, heute Nacht im Innes National Park an der Südwestspitze von Yorke zu verbringen. Also folgen wir dem Yorke Hwy, das ist die Straße von Minlaton über Warooka nach Stonehouse Bay. Wir fahren durch dichte Wälder mit zusätzlichem Buschbestand, mehr als in Australien sonst "üblich". Ansonsten ist hier landwirtschaftlich genutztes Land, die Ernte ist bereits eingefahren. Am Sonntag ist Erntedank - klar, aber auf die Idee wäre ich von alleine wohl nicht gekommen.  Es gibt kaum Viehwirtschaft, dafür ist der Boden viel zu kostbar. Doch jetzt sind allenthalben Schafe auf den Feldern, wahrscheinlich, um die verbliebenen Körner zu fressen und sich an den Stoppeln gütlich zu tun.
Die Visitor Information im Innes National Park hat leider wegen Umbauarbeiten zu, also müssen wir wieder die Selfregistration bemühen. Unser Kleingeld reicht nicht ganz, ein paar Cent fehlen - oder es ist viel zu viel. Sei's drum.
Auf dem Campground in Cable Bay steht ein einsames Zelt, später gesellt sich noch ein Auto dazu. Das heißt, dass wir heute Nacht nicht alleine sein werden.
Der Wind ist nach wie vor sehr stark und außerdem scheint gestern eine Kaltfront durchgezogen zu sein: Es hat nur 23 Grad. Nur im Windschatten, den es allerdings fast nicht gibt, spürt man die Kraft der Sonne.
Drei Mal bläst mir der Wind den Kocher aus, dann gebe ich auf und gehe in den Landcruiser. Auch das Essen nehmen wir im Auto ein - so schnell könnten wir gar nicht essen, wie es kalt wird. Wir bleiben auch zum Kartenspielen im Wagen, dennoch dauert es nachher 20 Minuten im Schlafsack, bis meine Hände wieder warm sind und fast eine Stunde, bis die Füße ihre Normaltemperatur erreicht haben.
Die Bewohner des kleinen Zelts haben während unseres Essens ihre Sachen gepackt und sind abgefahren, jetzt sind wir doch alleine.